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Meinungen

no picture Die Sinnkrise in Deutschland
Es folgen sehr persönliche Gedanken von Klaus Richter.
Deutschland ist ein schönes Land. Es ist wohlhabend, hat einen hohen Sozialstandard und hatte das Glück, in den letzten 60 Jahren keine Kriege und Katastrophen erleben zu müssen. Eigentlich könnten wir zufrieden und glücklich sein. Warum sind wir es nicht ? Warum herrscht eine derart miese Stimmung ? Die Kriegs- und Nachkriegsgenerationen (also meine Grosseltern und Eltern) haben ein Aufbauwunder vollbracht. Aber genau hier setzt der erste fatale Gedankenfehler ein. Mit dem Ausspruch "meine Kinder sollen es einmal besser haben" begann bereits die Ausrichtung auf das Materielle. Schritt für Schritt, langsamer oder schneller, häuften wir Wohlstand an. Die Serviceleistungen des Staates wurden und werden immer selbstverständlicher benutzt, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wer das Alles einmal bezahlen soll. Man vergass auch, die ursprünglichen Tugenden, wie z.B. Selbstdisziplin, Eigenverantwortung und Achtung der Menschenwürde weiterzugeben. Die heutige 2. Generation (ca. 25jährige) kann kaum noch nachvollziehen, dass man für das Leben immer wieder arbeiten muss. Sie sind völlig erstaunt, dass nicht Alles auf dem Präsentierteller liegt und man nicht nur Spass haben kann. Es hat sich bei Jung und Alt ein grosses Anspruchsdenken herausgebildet, nur nicht an die eigene Person. Dieser Prozess lief über Jahrzehnte in der Gesellschaft und führte zum einzigen Masstab der heutigen Zeit: das Geld. Gleichzeitig entwickelte sich eine negative Stimmung, die völlig unbegründet ist. Natürlich trifft das vorher gesagte nicht auf jeden Einzelmenschen im gleichen Umfang zu, aber der mehrheitliche Trend stimmt leider. Was aber wirklich schlimm ist, dass keine unserer Regierungen (egal welcher Partei) hier gegensteuern konnte oder wollte. Sie haben das Schiff "Deutschland" einfach treiben lassen. Menschen brauchen nun einmal gewisse Leitlinien. Der totale Individualismus führt in eine kalte Gesellschaft, wo keiner mehr den Anderen achtet. Wo liegen die Gründe für diese Schieflage unseres Gemeinwesens ? In der Nachkriegszeit wurde zum Aufbau einfach Alles gebraucht. Ein wahrer Konsumrausch entsandt (wenn auch mit Hilfe des Auslandes). Industrie und Gewerbe liefen auf Hochtouren. Aber bereits Anfang 1973 zeichnete sich ein Ende dieses "Booms" ab, durch Sättigung in vielen Bereichen. Die Wirtschaft ignoriert diese Tatsache teilweise bis heute. Die Folge sind seit vielen Jahren Überkapazitäten. Die Waren können nicht mehr verkauft werden. Dies wurde nur kurzfristig durch die Wiedervereinigung unterbrochen. Dann fehlt vielen Menschen das Geld, um sich die angebotenen Waren und Dienstleistungen zu kaufen. Eine Grundausstattung (mal mehr, mal weniger) ist überall vorhanden. Eine grosse Veränderung in der Gesellschaft führte zum nächsten Problem: die Emanzipierung der Frau. Viele junge Frauen lernten anspruchsvolle Berufe und übten dies auch aus. So wuchs die Zahl der ständig arbeitenden Menschen, während die Wirtschaft durch Rationalisierung und Sättigung immer weniger Arbeitsplätze zur Verfügung stellte. Auf diese Weise entstand ein grosser Teil der heutigen 5 Millionen Arbeitslosen. Natürlich spielt hier auch die schlechte Ausbildung und unflexible Lebensführung eine Rolle. Es ist leicht einzusehen, dass diese Problematik durch mehr staatliche Gelder (auf Pump!) nicht zu lösen ist. Die Anzahl der Arbeitsplätze wächst wahrscheinlich nicht mehr, sie muss nur anders (gerechter?) verteilt werden. Die Tatsache, dass viele Frauen ihre erlernten Berufe zu Recht auch ausüben wollen, ergibt ein weiteres Hindernis in unserer Wohlstandsgesellschaft: die relative Kinderlosigkeit mit allen Folgen. Ob man diese Problem mit mehr Kindergeld und der Ganztagsbetreuung von Kindern lösen kann, wage ich zu bezweifeln. In einigen Ländern (z.B. USA) mit weniger staatlicher Förderung von Kindern und Familie ist die Geburtenrate trotzdem höher. Die sogenannte Krise auf dem Wohnungsmarkt (zumindest für preisgünstige Angebote) ist genau so hausgemacht. Da immer mehr junge Menschen früh zu Hause ausziehen und länger als Single leben, entsteht ein weiterer Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Wir haben darauf aber gar nicht, und wenn zu spät, reagiert. Ausserdem existiert eine völlig überzogene Gesetzeslage zu Gunsten der Mieter. Wer einmal richtig Ärger mit Mietern hatte, und auf grösseren Kosten sitzen blieb, wird es sich genau überlegen, wie die meist mit Schulden gekaufte Wohnung weiterhin vermietet wird. Nicht alle Vermieter sind abkassierende Millionäre ! Aus den PISA-Studien, bei denen wir angeblich so schlecht abschneiden, werden grösstenteils die falschen Schlüsse gezogen. Mit Geld allein ist der sogenannte "Bildungsnotstand" nicht zu beheben. Wieso sind wir auf einmal so schlecht ? Unser Ausbildungs- und Bildungssystem ist gut bis sehr gut. Dies wird durch die grosse Anzahl von guten Facharbeitern, Ingenieuren, Technikern, Medizinern, Lehrern usw.. aller Jahrgänge untermauert. Ich (Jahrgang 51) besuchte Schulen die teilweise noch Kriegsschäden hatten und vorallem keine Turnhalle. Lernen kann man auch in einem Zelt, Begeisterung ist unabhängig vom Geld. Trotzdem sind aus mir und meinen Kolleginnen und Kollegen normale Menschen geworden. Die Schule kann nicht alleine die Erziehung der Kinder übernehmen. Hier sind verstärkt die Eltern gefordert. Wer sein Kind "unerzogen" im Kindergarten abgibt und hofft, in 20 Jahren kommt ein Nobelpreisträger heraus, begeht eine seelische Grausamkeit an dem Nachwuchs. Es spielen hier sicher auch die sozialen Bedingungen eine Rolle (z.B. Alleinerziehende, Arbeitslosigkeit), aber auch hier gibt es eine zu grosse Toleranz der Gesellschaft. Wieso sind wir eigentlich so sicher, dass die Aussagen der Pisa-Studien stimmen ? Die Schüler hatten einige Stunden unterichtsfrei. Wer garantiert für die Ernsthaftigkeit der Antworten ? Aber nun genug gejammert. Ohne ein vielfältiges Umdenken in den Köpfen aller Menschen in unserem Land ist die Krise nicht zu meistern. Da kann sich eine Regierung (gleich welcher Farbe) noch so anstrengen. Wir müssen viele Selbstverständlichkeit in Frage stellen. Es muss sich wieder auf ideelle Werte besonnen werden. Das Geld ist wichtig, aber kein Massstab. Die Rückbesinnung auf vergangene und verschüttete Tugenden ist notwendig. Der Staat ist kein Selbstbedienungsladen. Die Eigenverantwortung und Selbstdisziplin sollte im Vordergrund stehen. Wer sich frühzeitig richtig "durchbeissen" muss, ist viel widerstandsfähiger. Mr. Bush ist schliesslich nicht an Allem schuld ! Es folgen jetzt einige Vorschläge, die natürlich unvollständig und eventuell unausgereift sind. Die diversen Sozialkassen sollen für die wirklich Bedürftigen da sein. Man muss nach der Mitschuld an einem sozialem Abstieg fragen dürfen (z.B. schlechte bis keine Ausbildung, Unwilligkeit, fehlende Leistungsbereitschaft). Ausserdem gehören soziale Trittbrettfahrer von den Segnungen des Staates ausgeschlossen. Für viele Leistungen aus öffentlichen Kassen brauchen wir dringend eine Einkommensobergrenze. Die Rentenversicherung gehört von fremden Lasten befreit (z.B. Spätaussiedler, ex DDR). Wir brauchen keine zwei Krankenversicherungssysteme (gesetzlich, privat). Es muss zunächst jeder für sich selbst sorgen und nicht sofort nach Hilfe schreien. Es gäbe vermutlich genug Lehrstellen, nur nicht im "Traumjob". Die Gewerkschaften sollen aufhören für die Angestellten immer nur mehr Geld zu fordern, dies kostet mittel- und langfristig Arbeitsplätze. Die grossen Konzerne müssen in Deutschland Steuern zahlen. Das gilt auch für einige prominente Sportler. Oder sind Länder wie z.B. Schweiz, Österreich und Luxemburg stolz darauf, von Besserverdienenden in Relation zum normalen Angestellten deutlich weniger Abgaben zu kassieren ? Politisch gesehen müssen wir uns entscheiden. Wollen wir eine relative Demokratie mit Fehlern, aber mit Freiheit und Selbstbestimmung für den Einzelen ? Oder steht uns der Sinn nach einer Art Diktatur, in der Alles geregelt ist, dafür aber Willkür und Unfreiheit herrschen. Der viel gescholtene Kapitalismus hat vielen extremen Gruppierungen ein Entstehen und Überleben ermöglicht. In einer Diktatur würde es keine Partei "Die Grünen" geben ! Ich möchte in Zukunft das Wort "national" ohne harte Kritik wieder benutzen dürfen. Ich bin stolz auf unser Land und werde dies im In- und Ausland vertreten. Es ist völlig überflüssig, wenn man durch das Singen der Nationalhymne (die Melodie stammt von Joseph Haydn) oder durch das Benutzen der offiziellen Nationalflagge sofort in eine rechte Ecke verschoben wird ! Volkslieder und Lagerfeuerromantik gab es schon vor 1933. no picture
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